Muss und kann sich die Schweiz allein verteidigen?
Es entspricht der Tradition sicherheitspolitischer Diskussion in der Schweiz, dass eidgenössische Parlamentarier sich mit Fragen der Landesverteidigung fast ausschließlich dann beschäftigen, wenn über Rüstungsprogramme zu befinden ist. Eine neue Qualität ist nun aber, dass Vorsteher von fachfremden Departementen glauben, sich auch noch in die Diskussion um Waffensysteme einmischen zu müssen (1). Man würde sich wünschen, dass Fragen über die wirkliche militärische Bedrohung, mögliche Szenarien und Handlungsoptionen der Eidgenossenschaft als Ganzes im Vordergrund stehen.
Der neuste Sicherheitsbericht des Nachrichtendienstes des Bundes NDB sagt eindeutig, dass ein Angriff Russlands auf Europa in den nächsten Jahren unwahrscheinlich sei und widerspricht damit den gängigen Narrativen aus Presse und anderen Medien. Der Bericht ist allerdings von mediokrer Qualität, sodass es sich lohnt, sich unabhängig ein paar Gedanken zu machen über die Fähigkeiten Russlands, militärisch gegen Europa und gegen die Schweiz vorzugehen, sowie über die Schweiz selbst. Das würde eigentlich schon genügen, um einen Rahmen für die schweizerische Landesverteidigung abzustecken.
Überlegene Ressourcen unerreichbar für Russland
Die EU bzw. die europäischen NATO-Verbündeten stellen einen Block dar, der im Vergleich zu Russland die siebenfach größere Wirtschaftskraft, das dreifach größere personelle Potential und 1½ Mal mehr Soldaten besitzt (2). Diese Zahlen sprechen eigentlich für sich: So einen Block kann Russland nicht angreifen, es muss vielmehr verhindern, dass dessen Potential gegen Russland zum Einsatz gebracht wird.
Die Ressourcen Europas sind im Wesentlichen in drei großen Ballungsgebieten konzentriert und einigen von eher strukturschwachen Regionen umgebenen Metropolen (3). Wer sie im Griff hat, kontrolliert die Macht Europas ganz allgemein und dessen militärische Macht im Besonderen. Was ein Gegner in den menschenleeren Regionen im Norden Schottlands, im Inneren Frankreichs und Spaniens oder in den strukturschwachen Regionen Osteuropas treibt, ist von begrenzter Relevanz. In Russland auf der anderen Seite sind es die dicht besiedelten Ballungsräume um St. Petersburg, Moskau und der Südwesten, die zählen, und dann weit im Osten, die Städte entlang der Wolga. Dazwischen liegt … viel Landschaft.
Die Ballungsräume Europas zu besetzten und die Zugänge dazu, würde das militärische Potenzial Europas neutralisieren. Aber alleine die Besetzung des Russland am nächsten gelegenen Ballungsraums in Osteuropa – in etwa das Dreieck Leipzig-Krakau-Belgrad – käme ungefähr dem Feldzug gleich, den die Rote Armee im Frühjahr 1945 führte. Diese verfügte damals allerdings über einen Bestand von 11 Millionen Mann und kämpfte gegen ein Deutschland, das im Westen und im Süden in Kampf mit den USA, dem Britischen Empire und mit Frankreich stand (5).
Gänzlich unerreichbar für russische Kräfteprojektion sind die Ballungsgebiete im Nordwesten Europas und an der Nordküste des Mittelmeers. Dafür waren neben Land- auch Seestreitkräften notwendig, die es mit denjenigen der NATO aufnehmen können. Ganz allgemein ist die russische Flotte nur sehr eingeschränkt zu weitreichender Kräfteprojektion in der Lage. Sie stellt keine Hochseeflotte, keine sogenannte „Blue Water Navy“ dar, wie die US Navy, die Royal Navy oder auch die französische Marine Nationale. Mit ihren Flugzeugträger- und ihren Amphibischen Kampfgruppen sind diese in der Lage, den Weg zu so gut wie jeder Küste der Welt freizukämpfen und sich den Zugang zu fremden Ländern zu öffnen (6). Von solchen Fähigkeiten ist die russische Marine weit entfernt und es sind auch keine Hinweise darauf bekannt, dass sie solche aufzubauen gedenkt.
Nicht anders verhält es sich mit den russischen Luftstreitkräften. Die russische Luftwaffe kann wohl einen bis zwei Raids pro Tag bzw. pro Nacht weit entfernt außerhalb des Territoriums von Russland oder eines Verbündeten führen, aber sicher nicht eine wochenlange Luftangriffskampagne mit täglichen Luftangriffen, wie sie beispielsweise die NATO 1999 gegen Rest-Jugoslawien bzw. Serbien führte (7).
Russland ist somit weder in der Lage, das Ballungsgebiet Osteuropas zu besetzen, geschweige denn die dicht besiedelte und wirtschaftlich hochentwickelte Nordküste des Mittelmeers oder die Industriegebiete in Nordwesteuropa und England. Dazu fehlen den Russen Truppen, Schiffe, Flugzeuge und Stützpunkte. Russland verfügt aber auch nicht über die wirtschaftlichen oder finanziellen Mittel, um Streitkräfte aufzubauen, die dazu in der Lage wären.
Raketen auf Bern?
Russland kann Westeuropa und die Schweiz nicht erobern, aber Schläge austeilen kann es – mit Abstandswaffen aller Art, seien dies ballistische Raketen, Marschflugkörper oder in Zukunft vielleicht auch Drohnen mit atomaren oder konventionellen Sprengköpfen. Derartige Fähigkeiten besitzt aber auch eine ganze Reihe anderer Staaten der Welt, in erster Linie die USA sowie die Atommächte Israel, China, Nordkorea, Frankreich und Großbritannien (8). Generell ist eine Abwehr moderner Abstandswaffen nur sehr beschränkt möglich – darauf beruht ja gerade die nukleare Abschreckung. Die entsprechenden Schwierigkeiten zeigten in den vergangenen zwei Jahren die Raketenkriege zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite. Auch die Abschusszahlen russischer „Kinzhal“, „Oreshnik“, „Iskander“ und anderer Abstandswaffen, welche die Ukraine in den letzten Monaten präsentierte, sind wohl weit übertrieben (9).
Aber das Abfangen von Raketen ist nur die halbe Miete. Damit Abfangraketen rechtzeitig zum Einsatz gebracht werden können, muss eine angemessene Vorwarnung sichergestellt werden. Mittlerweile ist es beinahe zwingend, ein Überwachungssystem aufzubauen, das Raketenstarts erkennt, denn die Flugbahnen von ballistischen Raketen sind zunehmend schwieriger zu verfolgen und jene von Marschflugkörpern noch viel mehr. Am einfachsten wäre auch der Abschuss von ballistischen Raketen bzw. von anfliegenden Sprengköpfen außerhalb der Erdatmosphäre, aber auch dagegen wurden Abwehrmechanismen entwickelt und dem steht obendrein die Furcht vor der vollständigen Militarisierung des Weltraums entgegen. Immerhin auf diesem Gebiet scheint noch Einigkeit zwischen den Großmächten zu bestehen.
Die Detektion von Raketenstarts bedingt die Überwachung riesiger Räume an Land und zur See, in denen Startfahrzeuge, Schiffe und U-Boote Patrouillen fahren. Im Falle Russlands umfassen diese Regionen namentlich die Nebenmeere des Arktischen Ozeans, die Fluss- und Kanalsysteme sowie die Wälder im europäischen Teil des Landes und in Sibirien (10). So ein System kann nur aus einem Netz von Aufklärungs- und Kommunikations-Satelliten bestehen. Derzeit sind nur die USA im Besitz eines derartigen Systems und auch dieses weist wohl Schwächen und Lücken auf. Russland selbst besitzt kein solches und China wahrscheinlich auch nicht. Aufbau und Betrieb eines derartigen Systems liegen natürlich weit außerhalb der Möglichkeiten von mittelgroßen Staaten wie der Schweiz. Ein schweizerisches Star-Wars-System ist wohl Illusion. Und wenn Europa die Schweiz mit dem Versprechen eines Raketenabwehr-Schirms in eine Allianz locken will, dann gaukelt es Fähigkeiten vor, die es selbst nicht hat.
Karte: Ausgangsräume für den Einsatz von Abstandwaffen Russlands: Geeignete Seegebiete und Flüsse, Patrouillenräume für mobile Systeme, Standorte von Raketensilos, Flugwege von Bombern. / Quelle: Verfasser
Was bleibt? Wie 190 andere Staaten der Erde auch wird die Schweiz mit der Gefahr eines Angriffs durch Abstandswaffen leben müssen. Es wäre verwunderlich, wenn es ausgerechnet der Schweiz gelänge, sich gegen eine Kategorie von Waffen zu schützen, denen alle anderen Länder der Welt schutzlos gegenüberstehen. Es wird auch wenig Sinn haben, dass die Schweiz Abstandwaffen zur Vergeltung beschafft und damit zur Bedrohung einer ganzen Region mutiert.
Nicht klein, nicht schwach
Die Schweizerinnen und Schweizer sehen ihr Land gerne als Kleinstaat. Das ist nur teilweise zutreffend, denn global gesehen ist die Schweiz ein Land mit einer eher kleinen Fläche (Rang 136 von 250 Territorien), mittlerer Bevölkerungszahl (Rang 100/194) und großer Wirtschaftskraft: Im letzteren Bereich liegt sie unter den Top 10% der Welt (11). Sie ist politisch einer der stabilsten Saaten der Erde und liegt in der Nachbarschaft von drei Ländern aus der G-7-Gruppe. In einer vergleichbaren Nachbarschaft liegen nur noch Belgien und die Mongolei. Die Schweiz ist reich, im Vergleich zu ihren Nachbarn eher klein und exponiert. Das zeigt schon ihr Problem.
In Puncto Soft-Power, welche politische Werte, Regierungsführung, Kultur, Bildung, Wissenschaft und ähnliche Faktoren berücksichtigt, steht die Schweiz auf Rang 7 weltweit. Sie gibt mehrere hundert Millionen Franken jährlich für ihr diplomatisches Außennetz aus und 2 Milliarden jährlich für Entwicklungszusammenarbeit (12). Das Bild vom Eigenbrötler aus den Alpen, das gerne verbreitet wird, ist nicht zutreffend. In puncto militärischer Macht steht die Schweiz übrigens auf Rang 46 weltweit – eine gute Rangierung für ein Land, das de facto militärisch nicht bedroht ist (13). Staatskunst würde sich in einem ausgewogenen Verhältnis von Soft Power zu Hard Power äußern und nicht in Angstmache vor dem bösen Mann aus der Taiga.
Aufwuchs ist zwingend
Eine Milizarmee wie die Schweizer Armee, in welcher im Kalten Krieg bis zu 10% der Bevölkerung dienten, bekommt durch ihre Größe ein gewisses politisches Eigengewicht, weil die Angehörigen, Verwandten und Freunde der Soldaten schon allein durch ihre Anzahl politisches Gewicht erhalten. In einem Miliz- oder Wehrpflichtigen-System bestimmt rasch einmal das Elektorat, wo und wofür die Armee eingesetzt wird. Das unterscheidet die Milizarmee von den Berufsarmeen, die in den Ländern Europas derzeit einen Umfang von 2 bis 5 ‰ der Bevölkerungszahl aufweisen. Eine Berufsarmee wird rasch zum sprichwörtlichen Koffer ohne Griff: zum Tragen auf die Dauer zu schwer, zum Entsorgen zu kostbar. Die halbherzigen Versuche zur Wiedereinführung der Wehrpflicht in mehreren europäischen Ländern zeigen deutlich, dass Europa keine Wehrpflichtigen-Armeen will, die zur globalen Machtausübung ungeeignet sind, sondern Berufsarmeen, die zur Landesverteidigung ungeeignet sind.
Der permanente Unterhalt einer kriegsbereiten Armee ist aus personellen, finanziellen und infrastrukturellen Gründen nur mit übermäßig hohem Aufwand möglich. Es gibt gute Gründe zur Vermutung, dass die Ausbildung vom Abschluss der Grundausbildung bis zum Kriegsgenügen nochmals die gleiche bis die doppelte Zeit der Grundausbildung beansprucht (14). Einen Anteil von 10% der Bevölkerung über Monate im Militärdienst zu behalten, würde die schweizerische und wahrscheinlich die Wirtschaft jedes anderen europäischen Landes ruinieren. Auch in materieller Hinsicht ist Kriegsbereitschaft aufwendig: Die Erfahrungen anderer Länder zeigen, dass der Bedarf an Nachschubgütern in Kampfhandlungen hoher Intensität im Vergleich zum Friedensbetrieb um das 30-fache ansteigen kann (15). Es dürfte für die Schweiz nur schon eine Herausforderung darstellen, beispielweise so viel Munition sachgerecht zu lagern. Wahrscheinlich müssten erst Munitionsdepots gebaut werden. Es ist auch zu vermuten, dass die einsatzbezogene Ausbildung vor einer Verteidigungsoperation ein zehnfaches der Munition für die Grundausbildung verbraucht. Ob die Schweizer Armee die Anzahl Schießplätze besitzt, die benötigt würden, um die einsatzbezogene Ausbildung mit der ganzen Armee durchzuführen, wäre einmal abzuklären. Konsequenz: Am ungeliebten „Aufwuchs“ – ein Begriff, den bürgerliche Politiker nie liebten – wird man nicht vorbeikommen.
Selbstverteidigung machbar
Angesichts von 2 Millionen Soldaten der europäischen NATO-Verbündeten und 1½ Millionen Soldaten Russlands wären die 600’000 Soldaten, welche die Schweiz bei Bedarf mobilisieren könnte, ein sehr ernstzunehmender Faktor, der abhaltend wirkt (16). Als Teil der zwei wirtschaftlich am weitesten entwickelten Regionen Europas hat die Schweiz auch gute Aussichten, selbst in Kriegszeiten all jene Nachschubgüter aus dem oder via das benachbarte Ausland zu beziehen, die sie zur Verteidigung braucht. Ist erst einmal ein Krieg in Mitteleuropa in Gang, dann hätten die Nachbarn der Schweiz sicherlich alles Interesse daran, dass diese sich verteidigen kann. Jetzt wäre nur noch eine vorausschauende Rüstungspolitik notwendig, welche dafür sorgt, dass die Schweizer Armee das bekommt, was sie braucht, und das vorrätig hat, was sie in einer Krisenlage in Europa voraussichtlich nicht mehr bekommen kann. Das wären die Überlegungen, die auf Stufe Landesregierung anzustellen sind, und sie wären hilfreicher, als das Gejammer über: „Fähigkeitslücken“ und das Schwadronieren über Drohnen, Panzer und „Kooperationspartner“.
Die nur auf den ersten Blick berechtigte Skepsis gegenüber dem Begriff des „Aufwuchses“ kann man rasch zerstreuen. Wer auf der Basis von glaubwürdigen Szenarien daran geht, den Kräftebedarf für die Verteidigung festzulegen, kommt auf Zahlen, die eine Milizarmee durchaus mobilisieren könnte. Damit könnte das Ziel des Aufwuchses festgelegt werden, was dem Konzept als solchem etwas mehr Glaubwürdigkeit verschaffen würde. Bedeutet das aber, dass man die Verbände schon heute aufstellen, ausrüsten und ausbilden soll? Nein, denn das würde auf Jahrzehnte Betriebskosten verursachen, die zu bezahlen die Politik mit Sicherheit nicht bereit ist. Aber man sollte die Voraussetzungen schaffen, damit die notwendige Anzahl Verbände innerhalb weniger Jahre aufgestellt werden kann. Die Zeit für Neuaufstellungen wäre abschätzbar und die Auslösekriterien für den Aufwuchs eigentlich auch. Wie schade, dass man darüber in den Jahresberichten der Nachrichtendienste der Schweiz nichts liest! Bei der Vorbereitung des Aufwuchses sind weder bürgerliche Betonköpfe hilfreich noch pazifistische Träumer.
Ivan im Bundeshaus?
Es besteht derzeit und auf Jahre hinaus keine akute Bedrohung für die Schweiz, auch nicht aus Russland. Heute kann die Schweiz aus einer komfortablen Sicherheitsposition agieren. Wichtiger als eine alarmistische wäre heute eine realistische Lagebeurteilung, welche auf echten Fakten beruht, anstatt auf Angst vor einem russischen Einmarsch, für welchen Russland schlicht die Kapazitäten fehlen. Dieser Realismus muss kombiniert werden mit einer Akzeptanz technologischer Verwundbarkeit, denn gegen moderne Abstandswaffen gibt es keinen lückenlosen Schutz. Die Schweiz sollte lernen, mit diesem Risiko zu leben, anstatt Ressourcen in unbezahlbare Schutzdispositive zu stecken, deren Wirksamkeit ohnehin zweifelhaft ist.
Insgesamt stellt sich die Frage, ob es der Schutz der NATO ist, welcher der Schweiz ihre komfortable Lage in Europa verschafft, wie eifrige Transatlantiker gerne kolportieren, oder doch eher die begrenzten militärischen Kapazitäten Russlands.
Die richtigen Themen diskutieren!
Im Vorfeld der Volksabstimmung über die Neutralitätsinitiative und auch danach wird es darum gehen, die richtigen Themen auf der richtigen „Flughöhe“ zu diskutieren. Diskutiert wird derzeit die Kooperation mit der NATO und allenfalls auch mit der EU, die mit Artikel 42 des Lissabon-Vertrags eine weit stärkere Beistandspflicht verankert hat, als der vielzitierte Artikel 5 des Nordatlantik-Vertrages (17). Besonders erstere mahnt zu einer Abkehr von blinder Bündnis-Euphorie: Eine Kooperation mit den Nachbarn ist im Ernstfall sinnvoll, muss aber bereits in der Vorbereitungsphase eng begrenzt bleiben, damit die Schweiz nicht für Vorhaben instrumentalisiert wird, die nicht ihrer Sicherheit dienen.
Ein Aspekt von Kooperation ist heutzutage Rüstung, in welcher zuweilen wirtschaftliche Aspekte gegenüber militärischen Überhand gewinnen. Eine vorausschauende Rüstungspolitik sollte sich weniger mit technisch-taktischen Charakteristika von Waffensystemen beschäftigen, auch wenn diese das Lieblingsthema der Flugzeug- und Panzer-Enthusiasten darstellen, sondern eher mit Fragen der Verfügbarkeit, der Ausbildung und des Unterhalts unter Kriegsbedingungen: besser das zweitbeste Gerät im Einsatz als das beste in der Werkstatt.
Auch wenn die Trittbrett-Imperialisten im Umfeld der Schweiz von Wehrpflichtigen nichts wissen wollen, so sollte die Schweiz den Vorteil der Milizarmee weiterhin nutzen und an ihrem Milizsystem festhalten, da sie mit diesem im Ernstfall ein enormes personelles Potenzial aktivieren kann, wenn auch nur über kurze Dauer. Es ist aber wirtschaftlich unsinnig, eine riesige Armee permanent kriegsbereit zu halten. Die richtige Schlussfolgerung ist, heute lediglich die Strukturen und Voraussetzungen zu schaffen, damit die Armee im Krisenfall innerhalb weniger Jahre schnell auf die erforderliche Stärke gebracht werden kann.
Letzten Endes sollte sich die Landesregierung auch in Erinnerung rufen, dass Sicherheit nicht nur durch Waffen entsteht. Die Schweiz muss ihre enorme Wirtschaftskraft, ihr diplomatisches Gewicht, ihre Stabilität und ihre Soft Power gezielt als strategisches Sicherheitsinstrument einsetzen. Der Ressourceneinsatz für Soft und für Hard Powerwäre das Thema, welches die Landesregierung diskutieren sollte, und weniger einzelne Waffensysteme.
Anmerkungen:
- Siehe u.a. „Deshalb glaubt Jans‘ Departement, die Schweiz brauche keine Panzer mehr“, bei Watson, 24.07.2026, online unter https://www.watson.ch/schweiz/armee/532908987-armee-jans-departement-glaubt-die-schweiz-brauche-keine-panzer-mehr.
- Siehe „Flächendaten aller Länder der Erde“, bei Lexas LaenderDaten, online unter https://www.laenderdaten.de/geographie/flaeche.aspx. „Länder der Welt nach Bevölkerung (2026)“ bei worldometer, online unter https://www.worldometers.info/de/weltbevoelkerung/bevoelkerung-pro-land/. „BIP nach Ländern (2026) – IWF“ bei worldometer, online unter https://www.worldometers.info/de/bip/bip-pro-land/.
- Es existieren zahlreiche Modelle der wirtschaftsräumlichen Ordnung und der Bevölkerungsstruktur Europas. Sie enthalten einerseits abstrahierte Aussagen über reale Gegebenheiten und andererseits solche über politisch angestrebte oder zu erwartende räumliche Wandlungen. Die hier dargestellte Raumordnung entspricht den Vermutungen des Verfassers, basierend auf der Erwartung einer weiteren Urbanisierung Europas bei gleichzeitigem Bemühen, die Bildung von „Mega-Cities“ in Europa zu vermeiden. Siehe Mirko Ellrich, Maxie Pape: Infoblatt Wirtschaftsräume in Europa – Die Blaue Banane, bei TERRASSE online, online unter https://static.klett.de/assets/terrasse/Wirtschaftsraum_Die_Blaue_Banane.pdf. Axel Mayer: Blaue Banane: Traum, Albtraum, Flächenverbrauch & Kritik an der Megapolis, dem zentraleuropäischen Verdichtungsraum, bei Mitwelt Stiftung Oberrhein, 19.07.2026, online unter https://www.mitwelt.org/blaue-banane-europaeischer-verdichtungsraum-megapolis. „Europa – Wirtschaftliche Raummodelle“, bei Diercke, online unter https://diercke.de/content/europa-wirtschaftliche-raummodelle-978-3-14-100800-5-99-2-1. Ina Schmidt: The European Blue Banana, bei European Partner Solutions, 06.10.2014, online unter http://www.eu-partner.com/index.php?option=com_content&view=article&id=9:the-blue-banana&catid=1:news&Itemid=16. Stefanie Dühr, Hans Gebhardt: Geodesign für Europa, in: Hans Gebhardt, Rüdiger Glaser, Sebastian Lentz (Hrsg.): Europa – eine Geographie, Berlin/Heidelberg 2013, S. 221–224, eingeschränkte Vorschau unter https://books.google.de/books?id=8QkJAgAAQBAJ&pg=PA222#v=onepage&q&f=false. Gert-Jan Hospers: Beyond the Blue Banana? Structural Change in Europe’s Geo-Economy, hrsg. anlässlich des 42nd European Congress of the Regional Science Association, Young Scientist Session, August 27-31, 2002 – Dortmund, Germany, online unter http://www-sre.wu-wien.ac.at/ersa/ersaconfs/ersa02/cd-rom/papers/210.pdf. Vgl. Lexikon der Geographie: Blaue Banane, bei Spektrum,de, online unter https://www.spektrum.de/lexikon/geographie/blaue-banane/1072. „Wirtschaftsräume in Europa“, bei Dictactmedia, 2012, online unter https://www.didactmedia.eu/wp-content/uploads/2012/12/Kommentartext.pdf. Jutta Hofmann: Die Costas del Sol: der „Sunbelt“ Europas? Universität Trier, Fachbereich VI – Geographie / Geowissenschaften, Seminar: Landschaftsökologische Probleme europäischer Großlandschaften – Iberische Halbinsel – WS 2011/2012 2012, online unter https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb6/prof/PHY/PDF-Dateien/Publikationen/Die_Costas_del_Sol_Jutta_Hofmann.pdf.
- Vgl. Karten der Bevölkerungsdichte in Europa, wie bspw. jene unter https://fr.pinterest.com/pin/559853797417163463/.
- Siehe „Armeestärken im Zweiten Weltkrieg nach Ländern in den Jahren 1939 bis 1945“, bei statista.de, online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/252298/umfrage/armeestaerken-im-zweiten-weltkrieg-nach-laendern/.
- Vgl. „Die Grenzen der Kanonenboot-Diplomatie – keine Angst vor Flugzeugträgern!“, bei Global Bridge, 28.11.2023, online unter https://globalbridge.ch/die-grenzen-der-kanonenboot-diplomatie-keine-angst-vor-flugzeugtraegern/.
- Aus den zahlreichen Darstellungen über die völkerrechtswidrige Kampagne sei eine herausgegriffen: Benjamin S. Lambeth: NATO’s Air War for Kosovo – A Strategic and Operational Assessment, bei RAND Corporation, Santa Monica 2001, online unter https://www.rand.org/pubs/monograph_reports/MR1365.html.
- Siehe Hans M. Kristensen, Matt Korda, Eliana Johns, Mackenzie Knight-Boyle: Chinese nuclear weapons, 2026, bei Bulletin of the Atomic Scientists, 08.07.2026, online unter https://thebulletin.org/premium/2026-07/chinese-nuclear-weapons-2026/. „Russia Slates Sarmat ICBM Deployment for Late 2026″, bei The Moscow Times, 12.05.2026, online unter https://www.themoscowtimes.com/2026/05/12/russia-slates-sarmat-icbm-deployment-for-late-2026-a92739. Gaurav Tiwari: Agni Missile Series: India’s Strategic Ballistic Missile Family from Agni-I to Agni-V and MIRV, bei Anantam IAS, 17.07.2026, online unter https://anantamias.com/agni-missile-series/. „Missiles of Israel“, bei Center for Strategic and International Studies, August 2021, online unter https://missilethreat.csis.org/country/israel/. Kelsey Davenport, Daryl G. Kimball: U.S. Says Pakistan Developing Long-Range Missiles, bei Arms Control Association, Arms Control Today, Januar/Februar 2025, online unter https://www.armscontrol.org/act/2025-01/news/us-says-pakistan-developing-long-range-missiles. „Missiles of Pakistan“, beiCenter for Strategic and International Studies, 30.06.2022, online unter https://missilethreat.csis.org/country/pakistan/. „Missiles of Iran“, bei Center for Strategic and International Studies, 17.06.2026, online unter https://missilethreat.csis.org/country/iran/. „Missiles of North Korea“, bei Center for Strategic and International Studies, 15.01.2026, online unter https://missilethreat.csis.org/country/dprk/. John Mecklin: North Korea’s Hwasong-14, at a glance, beiBulletin of the Atomic Scientists, 10.08.2017, online unter https://thebulletin.org/multimedia/north-koreas-hwasong-14-at-a-glance/. Sinan Ciddi: Turkey’s Missile Ambitions Should Alarm Europe and the United States, bei Foundation for Defense of Democracies, 16.05.2026, online unter https://www.fdd.org/analysis/2026/05/16/turkeys-missile-ambitions-should-alarm-europe-and-the-united-states/. „Flamingo – a new Ukrainian long-range missile„, bei milmag.pl., 18.08.2025, online unter https://milmag.pl/en/flamingo-a-new-ukrainian-long-range-missile/. Bohdan Miroshnychenko: Ukrainian Flamingo missile with 3,000-km range appears in new video, bei Ukrainska Pravda, 18.08.2025, online unter https://www.pravda.com.ua/eng/news/2025/08/18/7526741/. „Missiles of France“, bei Center for Strategic and International Studies, 03.03.2021, online unter https://missilethreat.csis.org/country/france/. Javier Guerrero: Trident II D-5 (UGM-133A), beiNuclearcompanion.com, 28.04.2025, online unter https://nuclearcompanion.com/data/trident-ii-d-5-missile/.
- Siehe Theodore Postol: Evidence of Patriot PAC-3’s Near-Zero Interception Rate, bei Glenn Diesen Substack.com 12.07.2026, online unter https://glenndiesen.substack.com/p/theodore-postol-evidence-of-patriot?utm_source=post-email-title&publication_id=2670149&post_id=206718647&utm_campaign=email-post-title&isFreemail=true&r=197k7c&triedRedirect=true&utm_medium=email
- Von den Nebenmeeren des Arktischen Ozeans eignen sich die Barentssee, die Kara-See, das Weiße Meer und die Ostsibirische See nur bedingt als Patrouillengebiete für U-Boote mit ballistischen Raketen, weil sie in weiten Teilen nicht die Tauchtiefen erlauben, in welchen solche U-Boote maximal operieren können. Im Weißen Meer weisen nur der Kandalakscha-Graben und in der Barentssee die Gewässer rund um die Bäreninsel solche Tiefen auf. Russland hat zahlreiche Kriegsschiffe mit Marschflugkörpern des Typs Kalibr 3M14 zur Bekämpfung von stationären Landzielen ausgerüstet (westliche Bezeichnung SS-N-30), welche eine Einsatzreichweite von bis zu 2’500 km erreichen können. Von diesen Schiffen können möglicherweise die Korvetten der Bujan-M-Klasse (Projekt 21631) das Fluss- und Kanalsystem Russlands befahren und somit von einem Meer ins andere verlegt werden. Siehe „Комплекс 3К-14 / С-14 Калибр, ракеты 3М-54 / 3М-14 – SS-N-27 / SS-N-30 Sizzler“, in: militaryrussia.ru, 21.01.2023, online unter http://militaryrussia.ru/blog/topic-818.html, in russ. Sprache. Siehe Tomasz Grotnik: Russia launches Final Buyan-M-class Corvette Fitted with Kalibr cruise missiles, bei Naval News, 13.06.2024, online unter https://www.navalnews.com/naval-news/2024/06/russia-launches-final-buyan-m-class-corvette-fitted-with-kalibr-cruise-missiles/. Eine Übersicht: „Russian strategic nuclear forces“, bei Russian Strategic Nuclear Forces, online unter https://russianforces.org/. „Strategic Missile Forces„, bei Fandom, online unter https://military-history.fandom.com/wiki/Strategic_Missile_Forces.
- Vgl. „Flächendaten aller Länder der Erde“, bei Lexas LaenderDaten, online unter https://www.laenderdaten.de/geographie/flaeche.aspx. „Länder der Welt nach Bevölkerung (2026)“ bei worldometer, online unter https://www.worldometers.info/de/weltbevoelkerung/bevoelkerung-pro-land/. „BIP nach Ländern (2026) – IWF“ bei worldometer, online unter https://www.worldometers.info/de/bip/bip-pro-land/. Zur Soft Power, einem Begriff der durch den US-amerikanischen Politologen Joseph S. Nye geprägt wurde, siehe Joseph S. Nye: Soft Power, in: Foreign Policy 1990, 80 (3), S. 153–171, online verfügbar unter https://www.jstor.org/stable/1148580. Joseph S. Nye: Bound to Lead: The Changing Nature of American Power, New York 1990, online unter https://www.kropfpolisci.com/exceptionalism.nye.pdf. Joseph S. Nye: Soft Power. The means to success in world politics. New York 2004, online unter https://www.belfercenter.org/sites/default/files/pantheon_files/files/publication/joe_nye_wielding_soft_power.pdf.
- Siehe „Ausgaben der DEZA“ auf der Homepage der Eidgenössischen Bundesverwaltung, 05.05.2026, online unter https://www.deza.eda.admin.ch/de/ausgaben-der-deza. „Statistiken der Entwicklungsfinanzierung“, ebd. online unter https://www.deza.eda.admin.ch/de/statistiken-der-entwicklungsfinanzierung. Siehe auch „Staatsrechnung 2024, Bd. 2: Das EDA, hrsg. von der Eidg. Finanzverwaltung, online unter https://www.efv.admin.ch/dam/de/sd-web/eM-FB4edwEDq/Staatsrechnung%202024%20%E2%80%93%20Band%20II%20%E2%80%93%20Dep-2%20EDA%20DE.pdf. Ein Kommentar dazu von Balz Rigendinger: Die Schweiz spart im Aussennetz – aber wo? Bei SWI swissinfo,ch, 04.07.2023, online unter https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/schweiz-sparen-botschaften/48640382. Zum Ranking der Soft Power siehe „Brand Finance’s Global Soft Power Index“, online unter https://static.brandirectory.com/reports/brand-finance-soft-power-index-2026-digital.pdf und Konrad Jagodzinski: Global Soft Power Index 2026: A global mood shift, bei Brand Finance, 20.01.2026, online unter https://brandfinance.com/insights/global-soft-power-index-2026-executive-summary.
- Siehe Rangierung von 145 Staaten weltweit nach ihrer militärischen Stärke bei Global Firepower Countries Index, online unter https://www.globalfirepower.com/countries.php.
- Ausgehend von der Annahme, dass für eine Grundausbildung in der Anlernstufe ca. 150 Stunden und anschließend in der Festigungsstufe nochmals das Doppelte aufgewendet werden müssen, wird man für eine abgeschlossene allgemeine Grundausbildung realistischerweise nicht unter 3 Monaten ansetzen können. Dazu kommen dann noch Prüfungen, Inspektionen, Sport, Märsche, u.dgl., sowie Übungen auf den Stufen Gruppe/Fahrzeugbesatzung und Zug.
- Das entspricht den Erfahrungswerten, mit welchem der russische Generalstab arbeitet.
- Siehe „The size of NATO and non-NATO military forces in Europe“, bei The New Union Post, 17.04.2026, online unter https://newunionpost.eu/2026/04/17/size-nato-armies-europe-infographic/. Alexandra Knape: Die mächtigsten Armeen Europas und weltweit 2025, bei manager magazin, 04.03.2025, online unter https://www.manager-magazin.de/politik/bundeswehr-die-maechtgsten-armeen-europas-und-weltweit-2025-a-a379f4dd-15e2-448b-bbd2-c9d12a63e4e7.
- Siehe „Bündnisfall: Was ist eigentlich Art. 42 Abs. 7 EU-Vertrag?“ bei JuraForum.de, 15.05.2026, online unter https://www.juraforum.de/news/buendnisfall-was-ist-eigentlich-art-42-abs-7-eu-vertrag_247741. Es ist bezeichnend, dass die Trittbrett-Imperialisten aus Paris nach den Terroranschlägen in Paris im November 2015 die EU-Mitgliedstaaten zur Unterstützung aufforderten und sich dabei auf die Klausel zur „Hilfe und Unterstützung“ beriefen, die in den Verträgen verankert ist, jedoch zuvor nie aktiviert worden war. Siehe „Beistandsklausel (Artikel 42 Absatz 7 EUV), Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. Januar 2016 zur Anwendung der Beistandsklausel (Artikel 42 Absatz 7 EUV) (2015/3034(RSP)) (2018/C 011/09)“, im Amtsblatt der Europäischen Union, 21.01.2016, online unter https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52016IP0019. „Aktueller Begriff Europa; Kollektiver Beistand in der EU gemäß Art. 42 Abs. 7 EUV und die Mitwirkungsrechte des Bundestages“, auf der Homepage des Deutschen Bundestags, online unter https://www.bundestag.de/resource/blob/396620/Kollektiver-Beistand-in-der-EU.pdf. „EU-Bündnisfall: Rechtliche Grundlagen und praktische Auswirkungen“ auf der Homepage des Europäischen Parlaments, 20.01.2016, online unter https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20160119STO10518/eu-bundnisfall-rechtliche-grundlagen-und-praktische-auswirkungen.