Offener Brief an das Schweizer Aussendepartement
(Red.) Wer von der weit verbreiteten Kriegstreiberei angewidert ist und – bildhaft gesprochen – händeringend nach Wegen zum Frieden sucht, der kennt ihn: Vital Burger aus dem Luzernischen. Vital Burger organisiert unaufhörlich Reisen nach Russland und anderen vermeintlich feindlichen Ländern, und alle, die je mitgereist sind, sind begeistert – und vor allem haben sie seither ein anderes Bild dieser Länder, zum Beispiel von Russland, über das in den Schweizer Zeitungen und im Radio und im Fernsehen prinzipiell nur Verachtung und Hass gepredigt wird. Jetzt hat sich Vital Burger erlaubt, dem Schweizer Aussendepartement EDA einen Offenen Brief zu schreiben, den wir hier gerne publik machen. (cm)
Vital Burger
Gerliswilstrasse 69
6020 Emmenbrücke
EINSCHREIBEN
EDA
Generalsekretariat
Bundeshaus West
3003 Bern
Emmenbrücke, 3. Juli 2026
Begräbnis von Herrn Ayatollah Ali Chamenei, ehemaliger Oberster Führer des Irans / Absenz der offiziellen Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren
Auf meine Anfrage beim EDA von heute bezüglich Teilnahme der offiziellen Schweiz bei den Abschiedszeremonien von Herrn Chamenei teilte mir Herr Simon Ammann mit: Die Schweiz ist bei dieser Zeremonie nicht vertreten.
Eine Rückfrage bei der iranischen Botschaft in Bern hat ergeben, dass die Schweiz sehr wohl zu dieser Zeremonie eingeladen worden sei, namentlich Herr Ignazio Cassis (Chef EDA) und Herr Pierre-André Page (Nationalratspräsident).
Die Schweiz hat im Iran (noch) eine Sonderstellung. Sie agiert als Bindeglied zwischen den offiziellen Regierungen der USA und des Irans. Schon alleine aus diesem Grunde und als Zeichen des Respektes wäre es angebracht gewesen, eine Vertretung der Schweiz in den Iran zu schicken.
Mit dem Abzug der amerikanischen, bzw. westlichen militärischen Drohkulissen am Persischen Golf kommt der Iran wieder zu seiner alten Bedeutung in diesem Teil der Erde zurück. Der Iran wird wieder seine Rolle als wichtiges Bindeglied zwischen Ost und West einnehmen. Ein Land mit diesem personellen, kulturellen, verkehrstechnischen und wirtschaftlichen Potential kann nicht länger ignoriert werden. Der sehr grosse Schweiz–Bonus, der aktuell in der iranischen Gesellschaft und Regierung noch immer vorhanden ist, schwindet auch z.B. durch das Fernbleiben der offiziellen Schweiz an diesen Abschiedszeremonien immer mehr.
Über 30 Staaten sind offiziell zu diesen Zeremonien angereist. Aus Europa sind offenbar auch u.a. Serbien, Russland, Belarus etc. dabei. Das wirft bei mir folgende Fragen auf:
1.) Weshalb hat die Schweiz keine offizielle Delegation in den Iran entsandt?
2.) Wenn Sicherheitsbedenken ausschlaggebend waren, woher bezieht die Schweiz ihre Informationen? Sind denn die anderen Staatschefs, z.B. auch aus Saudi Arabien, nicht auch auf ihre Sicherheit bedacht?
3.) Welche Interessen vertritt unser Aussendepartement; diejenigen der so genannten westlichen Wertegemeinschaft (was immer das auch heissen mag) oder die ureigenen Interessen der Schweiz ?
Seit 15 Jahren verfolge ich die Schweizer Aussenpolitik im Iran auch mit über 75 persönlichen Verifizierungen vor Ort. In diesen Jahren hat die Schweiz nicht durch diplomatisches Geschick brilliert; im Gegenteil hat sie vom verdient erarbeiteten Bonus vergangener Taten gezehrt.
Mit dem erneuten diplomatischen Fauxpas haben wir eine weitere Chance verpasst.
Ich verstehe die Schweizer Aussenpolitik auch bezüglich dem Iran immer weniger und werde zwecks Schadensbegrenzung baldmöglichst wieder in den Iran gehen.
Hochachtungsvoll
Vital Burger