Für Wolfgang Ischinger, zurzeit Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, ist Putin der "Hauptschuldige" an der gegenwärtigen geopolitisch gefährlichen Situation – mit Verweis auf Putins Rede im Jahr 2007.

Fredy Gsteiger auf Radio SRF verzichtet auf Fragen – und hilft damit deutscher Anti-Russland-Politik

Wolfgang Ischinger, der deutsche Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, sagte in einem Gespräch mit Fredy Gsteiger, dass es Putin mit seiner Rede an der Münchner Sicherheitskonferenz MSC im Jahr 2007 war, der die gegenwärtige bedrohliche geopolitische Lage angekündigt und, zum Beispiel mit dem russischen Einmarsch in Georgien im Jahr 2008, verursacht habe. Putin sei – wörtlich – der „Hauptschuldige“.

Fredy Gsteiger verzichtete darauf, Wolfgang Ischinger zu korrigieren und daran zu erinnern, dass 2008 Georgien zu schießen begonnen hat, nicht Russland, und er verzichtete darauf, Ischinger an den wirklichen Inhalt von Putins Rede zu erinnern und Ischinger so ein wenig in die Zange zu nehmen. Offensichtlich waren ihm die Falschangaben von Ischinger sehr willkommen.

Der militärische Konflikt in Georgien im Jahre 2008 wurde im Auftrag der EU unter der Leitung der Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini genau untersucht und das Resultat ergab eindeutig: Es waren nicht die Russen, die damals zu schießen begannen, sondern die Georgier unter ihrem damaligen Präsidenten Michail Saakaschwili. Siehe dazu den diesbezüglichen Bericht.

Und die Rede von Putin im Jahr 2007 an der Münchner Sicherheitskonferenz? Putins Rede war alles andere als aggressiv. Aber er erlaubte sich, darauf aufmerksam zu machen, dass die NATO nach der Einwilligung Gorbatschows zur Wiedervereinigung Deutschlands versprochen hatte, die NATO um keinen Meter nach Osten zu erweitern, die NATO sich aber nach der freiwilligen Schliessung des Warschauer Paktes 1991 trotzdem Richtung Russland erweitert hat – um zehn Länder, Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei und Slowenien, alles Richtung Russland! Warum hätte Putin an einer „Sicherheitskonferenz“ so etwas nicht sagen dürfen?

Es lohnt sich, Putins damalige hochanständige Rede wieder nachzulesen – hier anklicken.

Wolfgang Ischingers Vorgänger als Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, Horst Teltschik, machte in seinem später herausgegebenen Buch redlicherweise darauf aufmerksam, dass es die deutschen Zuhörer im Saal waren, die aus Putins Rede einen Skandal machten, nicht zuletzt Josef Joffe, der damalige Herausgeber der deutschen Wochenzeitung «DIE ZEIT»:

«Das öffentliche Echo auf die Rede Putins war außerordentlich negativ und hält sich zum großen Teil bis heute. Bereits die erste spontane Wortmeldung aus dem Publikum , die – wie so oft – von Josef Joffe kam, Herausgeber der Wochenzeitung ‹Die Zeit›, gab den Tenor vor. Er wollte provozieren und fragte den russischen Präsidenten, ob diese Rede bedeute, dass wir vor einem neuen Kalten Krieg stünden. Diese pauschale und zugespitzte Bewertung bestimmte in der Folge die Diskussion im Saal und am nächsten Morgen teilweise bis in den Wortlaut hinein die Schlagzeilen fast der gesamten Presse. Es war kein Wille spürbar, positive Aussagen des russischen Präsidenten hervorzuheben und zu unterstreichen. Genug Gelegenheit dazu hatte die Rede durchaus gegeben. Und kein Politiker kündigte in der Diskussion die Bereitschaft an, sich über die strittigen zusammensetzen zu wollen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Putin hatte sie ja alle angesprochen.»

Josef Joffe war einer der prominentesten Kriegstreiber in Deutschland. Und – als Jude – einer der prominentesten Vertreter der These, dass Kritik an Israel per definitionem antisemitisch sei. Mit Folgen bis heute: Zu Recht wird der Krieg, den Israel im Gaza-Streifen führt, in vielen Ländern kritisiert. Und in den gleichen Ländern wird dann lautstark über zunehmenden Antisemitismus geklagt …

Doch zurück zu Fredy Gsteiger. Von einem seriösen Journalisten, zumal von einem Journalisten im Range von Fredy Gsteiger, erwartet man, dass er sich die Antwort eines Befragten anhört und nachhakt, wenn darin grobe Unwahrheiten enthalten sind. Fredy Gsteigers Frage nach einem „Hauptschuldigen“ zielte schon auf die Antwort „Putin“. Diese Antwort zu erhalten und grobe Unwahrheiten darin einfach stehen zu lassen, ist lausiger Journalismus.

Siehe dazu ein einminütiges Video, in dem Fredy Gsteiger erklärt, was „guter Journalismus“ ist … (hier anklicken)

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