Die Schweiz profitiert massiv vom Iran-Krieg
Der Krieg im Iran hat viele direkte Verlierer. Vorab die dort ansässige Bevölkerung, auch der jüngst von Israel wuchtig angegriffene Libanon sowie die wiederholt beschossenen Golfstaaten gehören dazu. Ebenso US-Präsident Trump, der seine – völkerrechtswidrigen – Kriegsziele bisher nicht realisieren konnte. Doch es gibt auch grosse Gewinner: Fern des Gefechtslärms und der Hektik in den Mainstream-Medien streichen die Rohölhändler fette Profite ein. Ein Drittel der einschlägigen Handelsfirmen sitzt in Genf. So profitiert auch die Schweiz. Ganz diskret, aber kräftig.
Die Blockade der Strasse von Hormus hat die Preise für Rohöl und Gas in die Höhe getrieben. Hohe Rohstoffpreise sorgen für hohe Einnahmen bei den Rohstoffhändlern, auch am Handelsplatz Genf. Das wiederum führt zu überdurchschnittlich hohen Steuereinnahmen für Bund und Kantone.
Die Hauptprofiteure in Genf
Genf beherbergt die weltweit wichtigsten Rohstoffhändler. Zu den Unternehmen, die am stärksten von der Volatilität und den Versorgungsengpässen profitieren, gehört Vitol, der grösste unabhängige Ölhändler. Auch Trafigura ist ein Schwergewicht im Öl- und Metallhandel, das über eine eigene mächtige Tankerflotte verfügt. Gunvor ist eng vernetzt im globalen Energiehandel mit Fokus auf Logistik, Mercuria ist bekannt für schnelles Agieren in Krisenmärkten.
Wie wird profitiert?
Die Gewinne resultieren nicht allein aus dem erhöhten Preisniveau, sondern vor allem aus der Marktvolatilität und logistischen Engpässen. In Zeiten des Krieges schwanken die Preise drastisch. Händler nutzen diese Schwankungen, um durch geschicktes Timing beim Kauf und Verkauf Margen zu sichern, die weit über dem Normalniveau liegen. Auch die gestiegenen geopolitischen Risiken werden in die Preise einberechnet. Zudem blühen die Spekulationsgeschäfte, an denen die Schweizer Rohstoffhändler in Krisenzeiten besonders gut verdienen.
Da die Strasse von Hormus faktisch blockiert war, explodierten die Frachtraten und Versicherungsprämien. Unternehmen wie Trafigura, die Hunderte von Schiffen kontrollieren, verdienen massiv an der Verknappung von sicherem Transportraum.
Wie viel wird verdient?
Genaue Zahlen für das laufende Jahr 2026 liegen naturgemäss noch nicht als Geschäftsberichte vor, wohl aber Branchenanalysen und historische Vergleiche (z. B. das Rekordjahr 2022 während der Covid-Krise). In ähnlichen Krisenjahren erzielten die Top-Händler oft Milliardengewinne. Zum Vergleich: Vitol und Trafigura verbuchten in den letzten grossen Krisenzeiten Reingewinne im Bereich von 5 bis 15 Milliarden USD pro Jahr!
Steuersegen für die Schweiz
Da diese Unternehmen ihren Hauptsitz oft in Genf (oder in Zug, wie Glencore) haben, führt dies zu happigen Steuereinnahmen für den Kanton und den Bund. In der Vergangenheit machten die Abgaben der Rohstoffbranche 10 bis 15% der kantonalen Steuereinnahmen aus. So erzielte Genf beispielsweise vor allem wegen des weltweiten Rohstoffmangels 2023 einen Überschuss von 1,4 Milliarden Franken.
Auch der Bund kassiert aufgrund der verknappten fossilen Energien: In den nächsten drei Jahren rechnet die Eidgenossenschaft mit Mehreinnahmen von bis zu 800 Millionen Franken.
Übergewinnsteuer in Diskussion
Während die Handelsfirmen und der Staat extrem profitieren, leiden die Endverbraucher unter den hohen Benzin- und Energiekosten. In der Schweiz wird daher bereits über eine temporäre Übergewinnsteuer debattiert, um diese kriegsbedingten „Windfall Profits“ abzuschöpfen.
Die Diskussion darüber wurde 2022 durch hohe Gewinne von Rohstoffhändlern und Energiekonzernen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg angefacht. Forderungen kamen aus der Politik (SP) und von NGO-Seite, während Wirtschaftsverbände und bürgerliche Kreise negative Auswirkungen auf den Standort befürchteten. Der Iran-Krieg könnte aber das Traktandum wieder auffrischen.
Quellen: Handelsstatistiken, SRF News Rendez-vous vom 08.04.2026, Google Gemini überprüft