Die Berg- und Talfahrten der bilateralen Beziehungen Schweiz/Russland – in der Vergangenheit und heute
Am 18. März 1946 nahmen die Schweiz und die damalige Sowjetunion die 1923 abgebrochenen offiziellen Beziehungen wieder auf. Unmittelbarer Anlass des Bruchs war die Ermordung des sowjetischen Diplomaten Waclaw Worowski am 10. Mai 1923 in Lausanne gewesen. Über 23 Jahre hatten zwischen Bern und Moskau „beziehungslose Zeiten“ geherrscht. Die Wiederanknüpfung der Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg war für Bern ein politisch heikles Unterfangen. Die Kontinuität der Beziehungen zur Russischen Föderation als Rechtsnachfolgerin der UdSSR wurde bereits im Januar 1992 zwischen Moskau und Bern festgehalten. Die Beziehungen entwickelten sich dynamisch und positiv, wenn auch nicht immer reibungslos. Nach dem Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 stehen die Weichen jedoch wieder auf Funkstille. Die Kluft zwischen Russland und dem Westen – und daher auch zwischen Russland und der Schweiz – vergrößerte sich, die bilateralen Beziehungen kommen erneut auf den Prüfstand.
Die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Russische Föderation – zwei Länder, die kaum unterschiedlicher sein könnten – blicken auf eine jahrhundertelange, bewegte Tradition von Beziehungen zurück. Diese Beziehungen mussten auch früher mehrere Berg-und-Tal-Fahrten durchmachen. Russland ist flächenmäßig 413 Mal größer als die Schweiz. Es sind jedoch nicht nur die Größe und geopolitische Lage und nicht nur die politische und militärische Macht, sondern auch die historischen Erfahrungen mit politischen Systemen und Kulturen, in denen diese Länder so verschieden sind. Aufgrund dieser Gegensätze erscheinen die Beziehungen der beiden Staaten beinahe als Inbegriff einer Asymmetrie.
Prominente Persönlichkeiten
Bedeutende Schweizer wirkten in Russland noch bevor sich die diplomatischen Kontakte etabliert hatten: Der Genfer François Le Fort (1656–1699) wurde der erste russische Admiral. Der Waadtländer Antoine-Henri Jomini (1779–1869) wurde General der russischen Infanterie und gilt als Mitbegründer der wissenschaftlichen Militärtheorie. Zwei berühmte Mathematiker, Leonhard Euler (1707–1783) und Daniel Bernoulli (1700–1782) wirkten an der auf Erlass Peters I. 1724 gegründeten Universität St. Petersburg.
In der Schweiz lebten zeitweise so prominente russische Persönlichkeiten wie Leo Tolstoi, Michail Bakunin, Anatoli Lunatscharski und Alexander Solschenizyn. 1867 arbeitete Fjodor Dostojewskij in Genf an seinem Roman „Der Idiot“. In Nyon am Genfersee weilte 1868 der russische Philosoph, Schriftsteller und Publizist Alexander Herzen. Sein Sohn, ebenfalls Alexander, dozierte 1881 bis 1906 an der Universität Lausanne als Professor der Physiologie. Eine der bedeutendsten Dichterinnen im Russland des 20. Jahrhunderts, Marina Zwetajewa, lebte 1903 bis 1904, zusammen mit ihrer Schwester Anastasia, in einem Internat in Lausanne. Der kommunistische Revolutionär und Begründer der Sowjetunion Wladimir Lenin lebte mit seiner Frau Nadeshda Krupskaja 1914 bis 1917 im Exil in der Schweiz, darunter ein Jahr lang an der Spiegelgasse 14 in Zürich, wo eine Gedenktafel am Haus auch heute daran erinnert. Hier vollendete er sein Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Lenin war Stammgast der Café Bar „Odeon“ am Bellevue in Zürich. Am 9. April 1917 bestieg er mit einer Gruppe von 35 Mitstreiterinnen und Mitstreitern in Zürich den Zug nach Petrograd (heute: St. Petersburg). Die Zugfahrt organisierte die deutsche Regierung, um die revolutionären Unruhen zu schüren und dadurch seinen Kriegsgegner Russland im Ersten Weltkrieg zu schwächen. Mehrmals in der Schweiz weilte auch der russische Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer Iwan Bunin, der 1933 als erster Russe den Nobelpreis für Literatur erhielt. Ein literatisch-historischer Reiseführer von Michail Schischkin umfasst über 380 bedeutende Russen, die in Verbindung zur Schweiz standen. (1)
Zum wichtigen Anknüpfungspunkt für politische Beziehungen wurde der Wiener Kongress von 1815. Die russische Diplomatie hatte sich für die Befriedung der nach Helvetik und Mediation innerlich zerstrittenen Alpenrepublik eingesetzt. Nach diesem Rechtsakt gehörte Russland zusammen mit Österreich, Frankreich, Großbritannien, Preußen und Portugal zu den Garantiemächten für die ständige Neutralität und die territoriale Integrität des erneuerten schweizerischen Bundes souveräner Kantone. Die freundliche Einstellung des russischen Zaren gegenüber der Schweiz war übrigens nicht zuletzt dem liberal gesinnten Waadtländer Frédéric-César de La Harpe (1754 – 1838) zu verdanken: Der russische Herrscher wurde unter der Leitung von La Harpe nach Rousseauschen Grundsätzen erzogen.
Die Schweiz unterhielt in Russland vorerst nur ehrenamtliche konsularische Vertretungen. 1906 nahm die erste schweizerische Gesandtschaft ihre Arbeit in St. Petersburg auf. Der erste ständige diplomatische Vertreter der Schweiz war der Genfer Staatsrat und Nationalrat Edouard Odier. (2)
Die gegenseitige Beeinflussung in der Literatur war noch vor dem Wiener Kongress intensiv. Im 18. Jahrhundert weckten drei Autoren die Aufmerksamkeit der Russen an der Confœderatio Helvetica: der Berner Mediziner und Dichter Albrecht von Haller mit seinem berühmten Gedicht „Die Alpen“, der Zürcher Dichter, Maler und Grafiker Salomon Gessner mit seinen „Idyllen“ sowie Jean-Jacques Rousseau mit seinem Gesamtwerk.
Die russische Leserschaft interessierte sich dabei nicht nur für die Schönheit der Schweizer Natur, sondern auch für das einzigartige demokratische politische System der Schweiz. Ebenfalls im 18. Jahrhundert würdigte der russische Schriftsteller und Historiker Nikolaj Karamsin (1766 – 1826) in seinem Werk „Briefe eines russischen Reisenden“, das 1791/92 in Russland erschien, die verschiedenen Stationen seiner Reise durch die Schweiz bis ins kleinste Detail. Seine „Briefe“ dienten später als eine Art Reiseführer für die russischen Adelstouristen. (3)
Die wissbegierigen Russen kamen jedoch nicht nur als Touristen in die Schweiz, sondern auch, um hier zu studieren. Die schweizerische Volkszählung erfasste 1910 insgesamt 8 458 Ausländer aus dem „Europäischen Russland“. Seit den 1860er Jahren immatrikulierten sich an Schweizer Universitäten zahlreiche russische Studenten und besonders auch Studentinnen, denen in der Heimat vergleichbare Ausbildungschancen fehlten. Die erste russische Studentenkolonie wurde in Zürich um das Jahr 1864 von jungen Russen gebildet, die zuvor in Heidelberg studiert hatten. Die 23-jährige Russin Nadeschda Suslowa promovierte an der Universität Zürich als erste Frau in Medizin; Dutzende junger Russinnen wollten ihrem Beispiel nacheifern. 1872/73 waren an der Universität Zürich 109 junge russische Frauen immatrikuliert, was 95 Prozent der Zürcher Studentinnen ausmachte. (4)
Bruch nach der Oktoberrevolution
Der Sturz der Zarenherrschaft 1917 bedeutete einen Wendepunkt. Die neue Regierung mit Weltrevolutions-Ambitionen wurde von vielen europäischen Mächten als Bedrohung angesehen. Im November 1918 wurde eine Sowjetmission unter dem Vorwurf der Propaganda von Bern ausgewiesen, Anfang 1919 verließ die schweizerische Gesandtschaft als letzte diplomatische Vertretung das bolschewistische Russland.
Zum Bruch für rund 23 Jahre kam es, nachdem am 10. Mai 1923 im Speisesaal des Hotels „Cécile“ in Lausanne der sowjetische Diplomat Wazlaw Worowski durch mehrere Revolverschüsse getötet worden war. Der Täter, der 27-jährige in Russland geborene Schweizer Bürger Moritz Conradi, entstammte der wohlhabenden Familie eines Bündner Schokoladenfabrikanten. Conradi hatte als Hauptmann in der zaristischen Armee gedient und gegen die Bolschewiken gekämpft. Mit der Wrangel-Armee verließ er Russland über Konstantinopel und konnte sich 1921 in die Schweiz durchschlagen. Die Familie Conradi verlor ihre Besitztümer, viele Familienmitglieder kamen im revolutionären Chaos ums Leben – Grund genug, um die Bolschewiken abgrundtief zu hassen.
Da Worowski keine offizielle Akkreditierung in der Schweiz besaß, wurde der Mord als „normale“ Strafsache von der Justiz beurteilt. Unter den Zeugen sagten solche Größen der russischen Emigration aus wie Fürstin Swetlana Kurakina, der Philosoph Petr Struve und der Soziologe Pitirim Sorokin. Die Verteidigung führte die Verhandlungen als politischen Prozess gegen die Sowjetunion und erwirkte für den Mörder einen Freispruch, was auf sowjetischer Seite Empörung auslöste. Der Freispruch besiegelte den Bruch zwischen der Schweiz und der Sowjetunion, die Beziehungen sanken auf den Gefrierpunkt. Den Zeitraum 1923 bis 1946 bezeichnete der russische Botschafter in der Schweiz (1992 – 1999) Andrej Stepanow rückblickend als „Jahrzehnte der verpassten Chancen“. (5)
Wiederanknüpfung nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der politische Einfluss der Sowjetunion stark gewachsen. Die Nachkriegszukunft Europas hing in einem nicht zu unterschätzenden Maße vom politischen Willen Moskaus ab. Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion wurde daher zu einer Notwendigkeit. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte auch eine freundliche Einstellung gegenüber der Sowjetunion in der Schweizer Bevölkerung, die dem sowjetischen Beitrag zum Sieg über die Achsenmächte einen hohen Wert beimaß.
Eine wesentliche Rolle vor den Verhandlungen über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen spielte die Interniertenfrage, denn die Schweiz hatte zu Ende des Zweiten Weltkrieges um die 10 000 Sowjetbürger interniert. Am 20. Juni 1945 lud Bundesrat Max Petitpierre eine sowjetische Militärdelegation ein, um den Sachverhalt zu klären.
Nach mehreren Gesprächen kam es am 18. März 1946 (also vor genau 80 Jahren, Red.) in Belgrad zu einem Notenaustausch zwischen der Schweiz und der Sowjetunion. „Der Bundesrat bedauert sehr die Umstände, die verhinderten, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten nicht früher schon errichtet werden konnten, und schlägt der Regierung der Sowjetunion die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen vor“, hieß es von der Schweizer Seite. Im Namen der Sowjetregierung antwortete darauf ihr außerordentlicher Bevollmächtigter in Jugoslawien, Nikolaj Koschewnikow: „Ich bin beauftragt, Ihnen mitzuteilen, dass die Regierung der Sowjetunion die obgenannte Erklärung der Schweizer Regierung zur Kenntnis nimmt und ihrerseits sich einverstanden erklärt, die diplomatischen Beziehungen mit der Schweiz wiederherzustellen.“ Die sowjetische Tageszeitung „Prawda“ bestätigte offiziell den Notenaustausch und die Wiederaufnahme der Beziehungen am 20. März 1946. (6)
Bereits Ende April 1946 konnte Hermann Flückiger als erster schweizerischer Gesandter in Moskau seine Arbeit aufnehmen. Am 20. September 1946 brachten 2 Dakota-Flugzeuge mit sowjetischen Hoheitszeichen den russischen Gesandten Minister Anatoly Kulaschenkow (1911 – 1980) mit seinem Stab nach Dübendorf. Im März 1948, zwei Jahre nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen, schlossen die Schweiz und die UdSSR in Moskau ein Handelsabkommen ab. Die Handels- und Wirtschaftsfragen standen im Zentrum des schweizerisch-sowjetischen Verhältnisses. Sie bildeten ungeachtet des geringen Volumens die stabilisierende Grundlage für die Beziehungen der beiden Länder.
Bis zu Stalins Tod 1953 entwickelten sich die Beziehungen jedoch nicht in erhofftem Umfang. Zwischen 1953 und 1991 trat eine Verbesserung ein; die Schweizer Neutralität wurde vom Kreml höher bewertet. Im Mai 1954 besuchte der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow die Schweiz. Molotow nahm an der Indochinakonferenz teil, die vom 8. Mai bis zum 20. Juli 1954 in Genf stattfand, und reiste am 28. Mai nach Bern. Dies war der erste Besuch dieser Art seit der Oktober-Revolution 1917. Außenminister Max Petitpierre konnte am Rande der internationalen Zusammenkunft mit dem sowjetischen Außenminister sprechen. Molotow lobte im Gespräch die „weise Politik“ der schweizerischen Staatsmänner und die „günstige Atmosphäre“ der Schweiz für internationale Konferenzen. (7)
Nach dem Zerfall der Sowjetunion
Die Auflösung der Sowjetunion am 21. Dezember 1991 hatte einen positiven Einfluss auf die Beziehungen: Bereits am 23. Dezember 1991 anerkannte die Schweiz die Russische Föderation und die anderen Nachfolgestaaten. Auch wirtschaftlich gab es Erfolge: Der russisch-schweizerischer Handelsumsatz betrug im Jahr 2004 2,2 Milliarden Franken, wovon 1 Milliarde auf Importe der Schweiz und 1,2 Milliarden Franken auf Exporte nach Russland entfielen.
Die Qualität der schweizerisch-russischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit bestätigte Dmitri Medwedew, der als erster russischer Staatspräsident im Jahre 2009 die Schweiz offiziell besuchte und die Eidgenossenschaft als „einen der größten und stabilsten Wirtschaftspartner Russlands“ lobte. Am 26. August 2010 unterzeichneten Bundesrätin Doris Leuthard und die russische Wirtschaftsministerin Elvia Nabiullina in Sotschi einen Aktionsplan für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Russland. (8) 2021 war Russland für die Schweiz weltweit der 23. Handelspartner für den Güterhandel sowie der 15. in Bezug auf den Handel mit Dienstleistungen. Das Exportvolumen betrug 2021 rund 3.4 Mrd. Franken. (9)
1994 bis 2021 fanden in Russland und der Schweiz jährlich die Sitzungen der Gemischten Wirtschaftskommission statt. Dieses Gremium bot eine gute Gelegenheit, um den Dialog über die Möglichkeiten und Herausforderungen der schweizerisch-russischen Zusammenarbeit im Wirtschafts- bzw. Finanzbereich zu führen. Die letzte Sitzung fand am 19. November 2021 in Bern statt, wo u.a. Anliegen der Uhrenindustrie einen wichtigen Platz hatten. Zum Schluss der Sitzung unterzeichneten Bundesrat Ueli Maurer und Finanzminister Anton Siluanov ein Zusatzprotoll zum bilateralen Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von amtlichen Stempeln auf Edelmetalluhren vom Jahr 2014 (Hallmarking-Abkommen).
Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland verliefen nicht reibungslos, es gab auch erhebliche Belastungen, wie z.B. die Flugzeugkollision bei Überlingen im Juli 2002 und ihre Folgen. Dennoch war die Bilanz der bilateralen Beziehungen 1991 – 2022 insgesamt positiv.
Der neue Gefrierpunkt
In der Folge des russischen Ukraine-Einmarsches am 24. Februar 2022 übernahm die Schweiz die EU-Sanktionen gegenüber Russland. Prompt folgte die russische Reaktion: Im März 2022 setzte Russland die Schweiz auf die Liste „unfreundlicher Staaten“. Am 11. August 2022 erklärte Iwan Netschajew, Sprecher des Departements für Information und Presse des russischen Außenministeriums, dass es unter den gegebenen Umständen unmöglich sei, die Schweiz als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine einzubeziehen. (10) Es erfolgte zwar kein Abbruch der diplomatischen Beziehungen wie 1923, die Beziehungen sanken jedoch erneut auf den Gefrierpunkt.
Zeichnet sich nun ein Silberstreif am Horizont ab? Am 6. Februar 2026 traf Bundesrat und amtierender OSZE-Vorsitzender Ignazio Cassis in Moskau den russischen Aussenminister Sergei Lawrow. Dies war der erste Besuch eines amtierenden OSZE-Vorsitzenden in der Russischen Föderation seit dem 24. Februar 2022. (11) Am 17. – 18. Februar 2026 fanden Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in Genf statt. Wenn diese auch ohne greifbare Ergebnisse endeten, so zeugen die Verhandlungen dennoch davon, dass Russland nun mehr Vertrauen in die neutrale Schweiz hat. Laut Thomas Greminger, Schweizer Diplomat und Direktor des Zentrums für Sicherheitspolitik in Genf, ist „die Schweiz wieder zu einem Standort für schwierige Gespräche geworden.“ (12)
Die bilateralen Beziehungen Schweiz-Russland erleben nicht zum ersten Mal „beziehungslose Zeiten“. Diesmal ist der Ukraine-Krieg zu einem Stolperstein für die Beziehungen geworden. Da jeder Krieg jedoch früher oder später endet, sollte auch dieser Stolperstein in der Zukunft aus dem Weg geräumt werden. Eine „Wiederanknüpfung“ der Beziehungen ist somit ebenfalls früher oder später zu erwarten, denn Russland lässt sich nun mal nicht von der Weltkarte wegradieren. Die Schweiz und Russland werden auf dem europäischen Kontinent koexistieren müssen. Der Wiederanknüpfung der Beziehungen muss jedoch der Wiederaufbau des gegenseitigen Vertrauens vorausgehen. Nur so können die Voraussetzung für eine beständige gesamteuropäische Sicherheits- und Friedensordnung im Interesse aller Europäer entstehen.
Zum Autor: Dr. rer. soc. Alexander Schrepfer-Proskurjakov, geb. 1969 in Tambow (Russland), Publizist und Übersetzer, 1989 – 1994: Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Staatlichen pädagogischen Hochschule Tambow (Russland); 1997 – 1998: Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für einen Forschungsaufenthalt an der Universität Konstanz, 1999 – 2003: Promotion an der Universität Konstanz, Fachbereich Geschichte und Soziologie, Fachgebiet Militärsoziologie. Publikationen in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Osteuropa, Österreichische Militärzeitschrift, Neue Zürcher Zeitung, Wiener Zeitung etc. – Alexander Schrepfer-Proskurjakov lebt in der Schweiz.
(Red.) Die Schweizer Politiker täten gut daran, aus diesem Auf und Ab der Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland zu lernen und einzusehen, dass es noch nie Sinn gemacht hat, das Gespräch zu verweigern. Und Sanktionen der EU pauschal zu übernehmen, ist ohnehin der absolut falsche Weg! Die neutrale Schweiz wäre dazu berufen, gute Beziehungen zu anderen Ländern zu unterhalten und dort, wo sie selbst nicht betroffen ist, als Vermittlerin aufzutreten. (cm)
Quellen und Anmerkungen
(1) Schrepfer-Proskurjakov, Alexander: «Ihr glücklichen Schweizer», in: Schweizer Monat, Ausgabe 949 – Oktober 2006, URL: https://schweizermonat.ch/ihr-gluecklichen-schweizer/
(2) Collmer, Peter: Die Schweiz und das Russische Reich 1848–1919. Geschichte einer europäischen Verflechtung, Zürich 2004, S. 13 – 14.
(3) Karamsin, Nikolaj Michailovitsch: Pis’ma russkogo puteschestwennika [Briefe eines russischen Reisenden], Leningrad 1984.
(4) Schischkin, Michail: Die russische Schweiz. Ein literarisch-historischer Reiseführer, Zürich 2003, S. 16ff.
(5) Stepanov, Andrej: Russkije i schwejzarzy. Zapiski diplomata [Russen und Schweizer. Aufzeichnungen eines Diplomaten], Moskau 2006, S. 371 ff.
(6) Meldung der Nachrichtenagentur TASS über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen, «Prawda» № 67 (10149) vom 20. März 1946, S. 6, URL: https://electro.nekrasovka.ru/books/6165360/pages/6
(7) Petrow, Igor: Otscherki istorii Schweizarii [Aufsätze zur Geschichte der Schweiz], Jekaterinburg 2006, S. 716; Molotow in der Schweiz: Online-Datenbank Dodis (Diplomatische Dokumente der Schweiz), URL: https://www.dodis.ch/de/die-genfer-indochinakonferenz-von-1954
(8) Medienmitteilung des Bundesrats «Die Schweiz und Russland unterzeichnen einen wirtschaftlichen Aktionsplan» vom 26. August 2010, URL: https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=34783
(9) Miriam Huwiler: Aussenhandel Schweiz und Russland, 20. November 2022, URL: https://www.wirtschaftverstehen.ch/2022/11/20/aussenhandel-schweiz/
(10) MID RF objasnil, potschemu Schwejzarija ne moschet predstavljat‘ interesy Ukrainy v Rossii [Das russische Außenministerium erklärte, warum die Schweiz die Interessen der Ukraine in Russland nicht vertreten kann], Nachrichtenagentur TASS vom 11. August 2022, URL: https://tass.ru/politika/15447247
(11) OSCE Chairman-in-Office Cassis and Secretary General Sinirlioğlu visit Moscow, OSCE’s Presse Release vom 6. Februar 2026, URL: https://www.osce.org/chairpersonship/662059
(12) Das grosse Comeback des internationalen Genf? SRF vom 16.02.2026,
URL: https://www.srf.ch/news/international/verhandlungen-in-der-schweiz-das-grosse-comeback-des-internationalen-genf